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Anthony Hopkins zurecht mit dem Oscar ausgezeichnet: The Father

Der Mann, der einst mit seiner ikonenhaft-diabolischen Darbietung den hochintelligenten, faszinierenden Serienmörder zur Kultfigur erhoben hat, ist in den letzten Jahren nur noch selten auf der großen Leinwand zu sehen gewesen. Sir Anthony Hopkins hat sich rar gemacht. Doch nun kehrt er mit einem Paukenschlag zurück und wurde für seine Leistung in The Father zu recht vom Sonntag auf den Montag dafür mit einem Oscar geehrt.

Hopkins brilliert als als alter Mann, der mit wildem Furor einen von Beginn weg hoffnungslosen Kampf mit seiner fortgeschrittenen Demenz austrägt. Auf seine zunehmende Verwirrung und das damit einhergehende Vergessen reagiert der allein lebende Anthony mit Wut, manchmal garstiger Gemeinheit gegenüber seinem Umfeld, mit Verzweiflung und schließlich Hilflosigkeit. Seine Tochter Anne, ebenfalls perfekt verkörpert durch Olivia Colman, versucht, aufopferungsvoll, ihrem Vater zu helfen. Da er gerade die x-te Pflegerin vertrieben hat, weil er ihr vorwarf, ihn bestohlen zu haben, muss sie nun eine neue finden und ihren Vater zur Einsicht bringen, dass er auf die Hilfe angewiesen ist.

Von der Bühne auf die Leinwand

Eigentlich ist das schon mehr oder weniger die Story. Der Film spielt sich hauptsächlich in einer Wohnung ab und das Figurenensemble ist ebenfalls übersichtlich gehalten. Was nicht bedeutet, dass es langweilig zu und her ginge. Im Gegenteil, durch die schauspielerische Brillanz und einen besonderen dramaturgischen Kniff gestaltet sich das Drama zeitweise so spannend wie ein Thriller.
Der Regisseur, Florian Zeller, verfilmt mit The Father hier sein eigenen Bühnenstück, das 2012 in Frankreich uraufgeführt wurde. Seitdem ist das Stück schon in fünfzig verschiedenen Ländern gespielt worden und hat zahlreiche Preise gewonnen.

Dramaturgischer Kniff

Der besondere dramaturgische Kniff von The Father, der auch schon im Theaterstück angewandt worden ist, besteht darin, dass die Zuschauer, dem, was sie sehen und hören, nicht vertrauen können. Denn das, was sie sehen, setzt sich aus den durcheinandergeratenen Erinnerungen und Wahrnehmungen Anthonys zusammen. Ganze Szenen wiederholen sich mit leichten Variationen, Zeitsprünge passieren unbemerkt, Figuren tauchen auf und verschwinden wieder oder sehen auf einmal anders aus. Den Zuschauern bleibt genauso wie Anthony anderes übrig, als sich immer wieder neu auf die Gegebenheiten einzustellen und neu zu orientieren. Meist stellt Anne den vermeintlich letzten Halt gebenden Anker in dieser aus den Fugen geratenen Welt dar. Aber was, wenn auch sie plötzlich behauptet, Sachen nicht gesagt zu haben, die wir eben noch aus ihrem Mund haben kommen hören?

Eine grosse Kunst, die dem Film gelingt, besteht darin, bei all dieser Verwirrnis nie zum anstrengenden verkopften Kunstkino zu verkommen. Die genannten Irritationen sind punktuell und sehr gezielt gesetzt. Und tatsächlich gelingt es so, insbesondere zu Beginn des Films, Anthonys Verhalten nachvollziehbarer zu gestalten. Manchmal ist man fast versucht, die Existenz einer Verschwörung, wie sie Anthony vermutet, in Erwägung zu ziehen.

Menschlichkeit und Humor

Obwohl der Film in vielerlei Hinsicht sehr traurig ist, geht man nach dem Ende nicht völlig niedergeschmettert aus dem Kinosaal. Denn trotz aller Tragik und Ausweglosigkeit durchzieht den Film auch eine große Menschlichkeit und Wärme. Zudem ist der Film zeitweise auch wahnsinnig lustig.
Schlussendlich überstrahlt aber Hopkins mit seiner Darstellung so ziemlich alles. Wie es ihm gelingt, zwischen Anthonys unterschiedlichen Stimmungen (charmant, wütend, ängstlich, hilflos, gemein, verzweifelt) fast fließend zu wechseln, ist einfach schon wahnsinnig beeindruckend und bleibt in Erinnerung.

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