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USA setzen Huthis auf Terrorliste – Experten warnen vor katastrophalen Folgen

Hilfsorganisationen und Experten warnen vor den katastrophalen Folgen für die Menschen im Jemen, nachdem die US-Regierung die Huthi-Rebellen auf gleich zwei Terrorlisten gesetzt hat: Als „Forein Terrorist Organisation“ und als „Specially Designate Global Terrorist“-Gruppe.

Brutaler Bürgerkrieg seit sechs Jahren

Der Bürgerkrieg im Jemen dauert inzwischen mehr als sechs Jahre. In dem Konflikt kämpft ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis an der Seite der Regierung gegen die Huthis, welche den Norden und Westen des Landes fast vollständig unter ihrer Kontrolle haben. Insgesamt kontrollieren sie etwa ein Drittel des jemenitischen Territoriums mit etwa 20 Millionen Einwohnern.
Das ärmste Land der arabischen Welt wurde verwüstet und mehr als Hunderttausend Menschen getötet. Die Trump-Regierung hat nun in den letzten Tagen ihrer Amtszeit die aufständischen Huthi-Rebellen im Jemen zur Terrororganisation erklärt. Dies, so vermuten Beobachter, allein aus dem Grund, um dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden die Verhandlungen mit dem Iran zu erschweren, welcher der größte Unterstützer der Rebellen ist.

Unglaubwürdige Begründung

Außenminister Mike Pompeo begründete den Schritt der USA damit, dass die Huthis für viele Terroranschläge und Angriffe in Saudi-Arabien und auf die internationale Schifffahrt verantwortlich seien.
Unbestritten ist, dass die Huthi-Rebellen brutale Gewalt anwenden – auch gegen Zivilisten. Doch mit dieser Begründung hätten die Rebellen schon seit Jahren auf diese Liste gesetzt werden müssen. Zudem sind sie bisher nicht als international oder global agierende Terrororganisation wie etwa der IS in Erscheinung getreten.

Schwerwiegende Folgen für Jemens Zivilbevölkerung

Selbst in der Republikanischen Partei wurde Unmut laut und Republikanische Abgeordnete kritisieren, dass dieser Entscheid, den Jemen noch weiter destabilisieren werde.

Die International Crisis Group schrieb, dass die Entscheidung der US-Regierung „gegen den Rat praktisch aller, die im humanitären, wirtschaftlichen und diplomatischen Bereich zu Jemen arbeiten“, getroffen worden sei.

Viel Kritik kommt zudem von Seiten der internationalen Hilfsorganisationen. Sie müssen in Zukunft damit rechnen, dass sie sich strafbar machen, wenn sie mit den Rebellen verhandeln, um Lieferungen von Lebensmitteln und Medikamenten in von Huthis kontrollierte Provinzen zu bringen. Im schlimmsten Fall müssen ganze Hilfsprojekte verzögert oder ganz gestoppt werden und das, während die UNO vor der weltweit schlimmsten Hungersnot seit Jahrzehnten im Jemen warnt.

Humanitäre Krise

Rund 80 Prozent der 30 Millionen Einwohner des Landes sind auf Hilfslieferungen angewiesen. 50’000 Menschen sind schätzungsweise bereits von einer Hungersnot betroffen, 16 Millionen leiden an Hunger und weitere fünf Millionen stehen kurz davor. Im Oktober hat Unicef Höchstwerte bei der akuten Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren gemeldet.

Ob die Huthis durch die Einstufung als Terrororganisation geschwächt werden, bezweifeln Experten.

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock schrieb bei Twitter: «Es könnte der Tropfen sein, der das Fass im Jemen zum Überlaufen bringt.» Nun drohe «nicht nur eine kleine Hungersnot, sondern eine wirklich gewaltige».

Weiterführende Links:

https://www.tagesspiegel.de/politik/usa-erklaeren-huthis-zu-terroristen-jemens-naechster-alptraum/26790386.html

https://www.derstandard.de/story/2000123310110/us-aussenpolitik-den-jemen-schlagen-den-iran-meinen?amplified=True

https://www.crisisgroup.org/middle-east-north-africa/gulf-and-arabian-peninsula/yemen/us-should-reverse-its-huthi-terror-designation

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