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Tigray: Ein Konflikt gefährdet Hunderttausende

Die humanitäre Lage in der Region Tigray verschlechtert sich täglich. Das UNHCR schlägt Alarm, inzwischen seien über 43’000 Menschen aus Tigray in den Sudan geflohen. Schon vor dieser Flüchtlingsbewegung hätten im Sudan gemäß UNHCR fast eine Million Flüchtlinge, hauptsächlich aus dem Südsudan, Zuflucht gefunden.

Hilfe nicht mehr möglich
Rund die Hälfte aller Flüchtlinge seien Kinder. Fast 10’000 Menschen mussten von der Grenze in den 70 Kilometer entfernten Ort Um Rakuba umgesiedelt werden. Insgesamt sind gemäß Angaben mehr als 600‘000 Menschen in der Region auf monatliche Lebensmittelrationen angewiesen, darunter rund 100’000 Flüchtlinge aus Eritrea. Seit Anfang Monat erhalten die Menschen allerdings kaum noch Unterstützung. In Mekele, der Hauptstadt von Tigray, sei der Verkehr zusammengebrochen, wodurch das Welternährungsprogramm WFP keinen Zugang zu seinem Lagerhaus bekommen, um von dort aus Lebensmittel auszufahren.

Konflikt mit Ansage
In Tigray, Äthiopiens nördlichster Provinz, herrschen bereits seit Monaten Spannungen vor. 2018 wurde Ahmid Abiy Ministerpräsident Äthiopiens. Seither sieht sich allerdings die Bevölkerungsgruppe der Tigray, welche seit drei Jahrzehnten die äthiopische Politik dominierte, in der Regierung unterrepräsentiert. Als Abiy im Juni dieses Jahres bekannt gab, er müsse wegen der Corona-Pandemie die nationalen Wahlen verschieben, rief die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) zum Widerstand gegen die „illegale“ Regierung auf.
Am 4. November verkündete Abiy die militärische Offensive gegen die TPLF, nachdem diese Einrichtungen der nationalen Armee überfallen und eingenommen hatte und Raketen auf das Gebiet des benachbarten Eritrea abgefeuert haben soll.
Die nationale Armee rückte bis zur Provinzhauptstadt Mekele vor. Schließlich setzte der Ministerpräsident den Rebellen eine Frist von 72 Stunden, um sich zu ergeben. Obwohl das Angebot offiziell von der TPLF ausgeschlagen wurde, sollen doch tausende Kämpfer ihre Waffen niedergelegt haben. Auf Facebook verkündete Abiy, man werde sich bemühen, Zivilisten zu schützen.

Berichte von Massakern
In der Zwischenzeit kam es zu mehreren Berichten von Massakern an Zivilisten. In der Stadt Mai Kadra etwa soll es zu grausamen Übergriffen der Tigray-Jugendmiliz Samri auf Saisonarbeiter einer anderen Bevölkerungsgruppe, der Amhara, gekommen sein. Die international anerkannte äthiopische Menschenrechtskommission berichtete, dass innerhalb eines einzigen Tages 600 Zivilisten umgebracht worden seien.

Bis vor Kurzem galt Abiy Ahmed als Hoffnungsfigur. 2019 wurde er für seine Rolle beim Frieden mit Eritrea mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Äthiopien ist mit seinen 120 Millionen Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land Afrikas hinter Nigeria. Kein Binnenstaat der Erde beherbergt mehr Menschen. Wegen seiner relativen Stabilität hat sich das Land zum Zufluchtsort für Menschen aus den Nachbarländern, etwa Somalia, Sudan und Eritrea entwickelt. Entsprechend groß ist das Risiko, dass der Konflikt die ganze Region Ostafrikas weiter destabilisieren könnte.

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