MinusGrenzen

Obdachlos Kälte und Schnee ausgeliefert

Am 24. Dezember schloss die internationale Organisation für Migration (IOM) das Aufnahmelager Lipa im Nordwesten Bosniens, rund 25 Kilometer von der Stadt Bihac entfernt. Die Organisation fühlte sich zu diesem angekündigten Schritt gezwungen, weil die Regierung trotz des einsetzenden Winters weder den Anschluss an ein Stromnetz noch eine Wasserversorgung gewährleistete.
Kurz vor der Räumung brach ein grosses Feuer im Camp aus und zerstörte das Lager beinahe vollständig. Gemäß IOM-Mitarbeitenden war eine Gruppe wütender Migranten für das Feuer verantwortlich. Die polizeilichen Ermittlungen laufen aber noch.

Das Lager war im September errichtet worden, nachdem die bosnischen Behörden das Lager Bira am Stadtrand von Bihac geschlossen hatten, um die Flüchtlinge und Migranten aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen.

Dem Winter ausgeliefert

Rund 3300 Menschen mussten ohne Heizung und Dach über dem Kopf, schutzlos gegenüber Schneefall, Regen und Kälte, im Freien ausharren. Die Nichtregierungsorganisation Care berichtete von Menschen, die in Sandalen im Schnee zurückgelassen worden seien. Die Menschen hüllten sich in Decken und Schlafsäcke, um sich vor der Kälte zu schützen, berichteten Reporter.
Nach ARD-Informationen verteilten nur noch das bosnische Rote Kreuz und einige Helfer Decken und eine warme Mahlzeit pro Tag.

Viele Migranten und Flüchtende erreichen über die sogenannte Balkanroute in die Region, über die sie aus der Türkei nach Westeuropa zu gelangen versuchen. Die EU hat deswegen Bosnien seit 2018 insgesamt rund 85,5 Millionen Euro an Hilfen zur Bewältigung der Lage gezahlt.

Evakuierung ins Ungewisse

Wie die BR-Korrespondentin, Andrea Beer, berichtete, trafen am 29.12.2020 Busse ein, um einen Teil der Menschen in eine neue Unterkunft zu bringen. Es hieß, die Behörden wollten die Menschen in eine ehemalige Kaserne der bosnischen Armee in Brandina, 45 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Sarajevos bringen – vorübergehend, bis Camp Lipa wieder aufgebaut sei.

Doch dann hieß es plötzlich, Minister der bosnisch-kroatischen HDZ-Partei blockierten den Transfer. Anstatt in einer Kaserne mussten die Menschen in Bussen, in die sie rund 10 Stunden zuvor eingestiegen waren, verharren.

Und in der Region des abgebrannten Camps befinden sich weiterhin rund 2000 Flüchtende und Migrierende obdachlos auf der Strasse, hausen im Wald oder in leerstehenden Gebäuden. Alle bestehenden Flüchtlingscamps sind überfüllt. Wie es mit den Menschen weitergehen soll, ist ungewiss.

Weiterführende Links:

https://www.dw.com/de/helfer-tausende-migranten-in-bosnien-in-lebensgefahr/a-56085998

https://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-in-bihac-die-menschen-sind-weiterhin-wind-und.1773.de.html?dram:article_id=489991

https://www.tagesschau.de/ausland/lipa-bosnien-camp-migranten-101.html

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