MinusGrenzen

Neue Formen der Gewalt

Die Eskalationsspirale der Abschreckung dreht immer weiter: Am 14.8.2020 berichtete die New York Times, dass die griechische Regierung im Geheimen mehr als 1000 Flüchtlinge im Mittelmeer ausgesetzt habe.

Neben anderen kommt in der Zeitung Nama al-Khatib, ein 50jähriger syrischer Lehrer zu Wort. Er erzählte den Journalisten, dass er und 22 andere Asylbewerber, inkl. zweier Babys, am 26. Juli von maskierten griechischen Polizisten in Busse gezwungen worden seien. Man habe ihnen gesagt, sie würden in ein anderes Camp und dann weiter nach Athen gebracht. Stattdessen endete die Busfahrt vor zwei Booten, in denen sie aufs offene Meer hinausgefahren wurden. Schließlich seien sie in zwei motor- und ruderlosen Schlauchbooten ausgesetzt worden. Die türkische Küstenwache rettete die Gruppe um 4.30 und brachte sie an Land.

Die New York Times steht mit ihren Recherchen nicht allein. Auch der Verein Mare Liberum beobachtete mehrere solcher Pushbacks. Allein seit März habe man rund 200 solche Fälle dokumentiert, in denen mehr als 6000 Menschen in die türkischen Gewässer zurückgedrängt worden seien.

Das Nachrichten Magazin „Der Spiegel“ berichtete ebenfalls von ähnlichen Fällen. Gemeinsam mit Report Mainz und Lighthouse Reports habe man im Juni etliche Videos, Augenzeugenberichte und Gedachten ausgewertet. Die Recherchen belegten, dass die griechische Küstenwache Bootsflüchtlinge stoppt, sie auf Rettungsinseln setzt, Richtung Türkei schleppt und sie manövrierunfähig auf dem Meer zurücklässt.

Eine neue Form der Gewalt habe eingesetzt, betonen verschiedene Beobachter. Sie berichten von Schlägen, Schüssen auf Geflüchtete sowie gefährlichen Manövern von Schiffen der Küstenwache.

Die Anzahl der Berichte über solche illegalen Pushbacks ist beeindruckend. Ebenso beeindruckend aber ist auch, wie leise die Reaktionen seitens europäischer Politik und Öffentlichkeit ausfiel. Die Berichte aus Griechenland gingen unter den täglichen Coronameldungen, den Ansteckungszahlen und ständig aktualisierten Listen von Risikoländern förmlich unter.

Weiterführende Links:

nytimes.com

www.fr.de

www.dw.com

www.spiegel.de

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