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Das Flüchtlingslager Dadaab aus der Luft by Oxfam International

Kenianische Flüchtlingslager mit über 400’000 Bewohnern werden geschlossen

Die kenianische Regierung hat vor einiger Zeit den Entscheid gefällt hat, die beiden Flüchtlingslager Kakuma und Dadaab in Kenia zu schliessen, in denen laut UNHCR 433.765 Flüchtlinge leben. Nachdem zwischenzeitlich das Oberste Gericht der Regierung die Schliessung untersagten, trafen sich nun der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta mit dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge Filippo Grandi in Nairobi zum Gespräch.

Ein gemeinsames Team aus Regierungsbeamten und des UNHCR soll nun einen Fahrplan für die nächsten Schritte «in Richtung eines humanen Flüchtlingsmanagements in beiden Lagern» erarbeiten und umsetzen.

«Die kenianische Regierung und das UNHCR sind sich einig, dass Flüchtlingslager keine langfristige Lösung für Vertriebene darstellen, und verpflichten sich, gemeinsam alternative Lösungen zu finden, die den Grundsätzen und Zielen der Aufteilung der Verantwortung des Global Compact on Refugees (GCR) entsprechen», schreibt das UNHCR in einer Presseerklärung.

Grandi sagt, er sei beruhigt über die Zusicherung der kenianischen Regierung, dass sie weiterhin Schutz und Dienstleistungen für Asylsuchende und Flüchtlinge in Kenia bieten wird. In einem nächsten Schritt sollen Geflüchtete aus ostafrikanischen Ländern die Möglichkeit für eine kostenlose Arbeitserlaubnis erhalten, damit sie sich in kenianische Gemeinden integrieren oder «in ihr Herkunftsland zurückkehren können».

Konkret sollen die beiden Lager, in denen vor allem Menschen aus Somalia und dem Südsudan leben, bis am 30. Juni 2022 geschlossen werden.

Für viele sind die Lager zu ihrem Zuhause geworden

Samuel Burri schreibt in einem Artikel auf srf.ch von Fatma Mohammed aus Somalien, mit der er im November 2019 im Lager Dadaab gesprochen hatte. Fatma verkaufte kleine Essensrationen. Mit dem Geld leistet sie sich beispielsweise den Motorrad-Transport in ihr weit entferntes Zelt. Schon damals drohte die kenianische Regierung mit der Schliessung des Lagers. Fatma sagte dazu: «Solange kein Frieden in Somalia herrscht und meine Kinder im Lager zur Schule können, will ich hier bleiben.»

Die kenianische Regierung und das UNHCR wollen erreichen, dass die Menschen die Lager freiwillig verlassen. Doch viele können sich das nicht vorstellen.

Mariano Lugli, Programmleiter Kenia der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, sagt gegenüber SRF: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Auflösung der Camps.» Doch die Menschen brauchten eine Perspektive. «Man kann nicht einfach darauf hoffen, dass alle zurückkehren werden.»

AL JAZEERA sprach mit dem 26-jährigen Austin Baboya aus dem Südsudan, der im Lager in Kakuma lebt. Er erklärte den Reportern, dass er sich frage, ob sich die Regierung denn über das Leben der Menschen in den Lagern überhaupt Gedanken gemacht habe. Oder ob sie einfach eines morgens aufgewacht sind und diese Entscheidung getroffen haben.

«Bevor es dieses Lager gab, sind sehr viele Menschen gestorben. Sehr viele flohen aus ihren Heimatländern … Sie haben hier einen Platz gefunden, den sie Zuhause nennen und ich denke nicht, dass viele von ihnen bereit sind, zurückzugehen.», sagt er.

Weiterführende Links

Peter Muiruri: UN outlines plan to close camps housing 430’000 refugees in Kenya, the Guardian, 15.04.2021.

Oscar Gakuo Mwangi: Why Kenya is on thin ice in its justification for sending Somali refugees back home, THE CONVERSATION, 21.04.2021.

Kenya says Dadaab, Kakuma refugee camps to close next year, AL JAZEERA, 29.04.2021.

Tom Odula: Kenya camps with 400,000 refugees to be closed next year, AP News, 29.04.2021.

Joint statement by the Government of Kenya and the United Nations High Commissioner for Refugees: Dadaab and Kakuma Refugee Camps Roadmap, UNHCR, 29.04.2021.

Samuel Burri: Somalische Flüchtlinge sollen freiwillig nach Hause zurückkehren, SRF, 30.04.2021.

Kenia schliesst zwei Flüchtlingslager mit 433.000 Menschen, ZEITONLINE, 30.04.2021.

Kenia und die UN wollen zwei der weltgrössten Flüchtlingslager schliessen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2021.

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