MinusGrenzen

Geflüchtete Menschen und unzureichende Kapazitäten

Bis vor knapp einer Woche war die Alan Kurdi, ein Rettungsschiff der Sea-Eye, noch von den italienischen Behörden festgesetzt worden. Nun hat die Crew am Wochenende gleich drei Rettungseinsätze durchgeführt und dabei 133 Migranten aus 15 Nationen an Bord aufgenommen. Darunter zehn Frauen – eine schwanger, sowie Dutzende Kinder und Jugendliche und ein fünf Monate altes Baby. Zunächst habe man ein Schlauchboot mit 90 Insassen, die aus Libyen geflohen seien, gesichtet. Nach kurzer Zeit sei ein weiteres Boot mit 24 Menschen entdeckt worden. Wenige Stunden später hat die Crew weitere 10 Menschen aus einem Fischerboot an Bord geholt. Gemäß den Aussagen von Sea-Eye hätten weder Italien, Malta noch Libyen auf die Notrufe reagiert.

Am Sonntag erreichte die Alan Kurdi schließlich die Insel Lampedusa und forderte die Behörden auf, ihnen die Erlaubnis zu erteilen, auf der süditalienischen Insel einzulaufen. Die italienischen Behörden hätten sich gemäß Sea Eye für nicht zuständig erklärt und auf Deutschland verwiesen, da die Alan Kurdi unter deutscher Flagge fährt.

Etwa im selben Zeitraum haben rund 300 Menschen auf 26 Booten Lampedusa erreicht. Im Erstaufnahmelager auf der Insel, das eigentlich 200 Plätze bieten soll, befinden sich derzeit über 1000 Menschen. Tatsächlich ist es so, dass die Zahl der Flüchtenden, die über das Mittelmeer Italien erreichen, stark zugenommen hat. Seit Anfang 2020 seien 21’417 Menschen in Italien eingetroffen. Im Vergleichzeitraum 2019 seien es 6543 gewesen. In Italien erwarten die Menschen als erstes eine zweiwöchige Quarantäne aufgrund der Covid-19-Sicherheitsregelungen.

Im Zuge der schrecklichen Ereignisse auf Lesbos gab es in der letzten Woche große zivilgesellschaftliche Solidarität zu beobachten. Während die Politik anfangs mit ihrer fast schon üblich gewordenen Abwehrhaltung auf die Situation der Menschen auf Lesbos reagierten, übte die Zivilgesellschaft Druck aus, den Menschen aus Moria zu helfen.
Doch die Gefahr ist gross, dass diese Solidarität schnell wieder von Überfremdungsängsten eingeholt, insbesondere, wenn die absoluten Zahlen an Migrierenden, die Europa irregulär erreichen, wieder stark zunehmen. Die aktuelle politische Kaste scheint leider nur zu gerne dazu bereit, fremdenfeindlichen Strömungen nachzugeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.