MinusGrenzen

Europa lässt Flüchtlinge in Schnee und Kälte ausharren

In Bosnien ist die Lage für Flüchtlinge und Migranten weiterhin prekär, nachdem vor Weihnachten das Lager Lipa geschlossen wurde und später abgebrannt ist. Viele der Menschen haben Schutz im Wald gesucht, haben sich eigene Unterschlüpfe zusammengebastelt.

Zuletzt hatten die bosnischen Behörden versucht, einen Teil der Menschen in eine ehemalige Kaserne nach Bradina zu bringen, dies scheiterte allerdings am Widerstand von Anwohnern und Lokalbehörden. Daraufhin wurden die Menschen wieder in das ausgebrannte Lager Lipa zurückgebracht.

Temperaturen bis Minus 15 Grad

Das Nachrichtenmagazin die „Welt“ zitierte aus einem Bericht der EU-Kommission von letzter Woche, dass in der Nähe des ehemaligen Lagers Lipa, nahe Bihac, 1900 Migranten bei bis zu Minus 15 Grad im Freien kampierten. Ihre Zelte bestünden meistens aus Plastikplanen und abgesägten Baumstämmen. Davor würden kleine Feuer brennen.

In dem von der Welt zitierten Bericht macht die EU den Behörden in Bosnien-Herzegowina schwere Vorwürfe, insbesondere wird auf die hohen finanziellen Mittel verwiesen, welche die EU an das Land seit 2018 gezahlt habe. Von diesen mehr als 88 Millionen Euro will der Bürgermeister von Bihac, Suhret Fazlic, nie auch nur einen Euro gesehen haben, wie die dw.com schreibt.

Während die EU von den bosnischen Behörden fordert, dass schnellstens menschwürdige Zustände hergestellt würden, zeigt sie keine Bereitschaft, einige der Menschen, die dort im Winter im Freien ausharren, selber aufzunehmen und so in Sicherheit zu bringen.

Hilferufe aus den griechischen Flüchtlingslagern

Um Babys vor Nässe, Kälte und Ratten zu schützen, werden sie in Felle gewickelt und in Wäschekörbe gelegt, die im Zelt aufgehängt werden, so der Bericht einer Aktivistin, wie ihn Deutschlandfunkkultur wieder gibt.
Die Bilder und Videos, die es aus den Lagern auf den griechischen Inseln gibt, stammen meist von den Flüchtenden selbst. Denn die Behörden verbieten es Mitarbeitern, darüber zu berichten, was in den Lagern vorgeht und Journalisten und Journalistinnen wird der Zutritt verwehrt.

Gegenüber srf.ch erklärte die in Athen lebende Journalistin Rodothea Seralidou:
„Im neuen Gesetz zu den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln ist eine Verschwiegenheitspflicht festgehalten. Demnach dürfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Camps ihre Beobachtungen nicht weitergeben – selbst dann nicht, wenn sie gar nicht mehr dort arbeiten. Die Nachrichten über die Missstände in den Lagern stammen derzeit deshalb von Helfern, die nicht selber dort arbeiten, aber Kontakte zu den Geflüchteten haben. Dazu gehören etwa Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen.

Allein im Lager Kara Tepe auf Lesbos sind rund 7000 Menschen untergebracht. Im Camp Samos, das für maximal 700 Menschen vorgesehen war, sind laut UNHCR fast 4000 Menschen untergebracht. Insgesamt seien auf den griechischen Inseln rund 17’000 Flüchtende gestrandet, ein Drittel davon Kinder.

Weiterführende Links:

https://www.deutschlandfunk.de/zeitungsbericht-fluechtlinge-in-bosnien-muessen-bei-minus.2932.de.html?drn:news_id=1216436

https://www.dw.com/de/bosnien-keine-hoffnung-f%C3%BCr-fl%C3%BCchtlinge-an-der-eu-grenze/a-56167490

https://www.welt.de/politik/ausland/article224357036/Bosnien-Wo-sind-die-EU-Millionen-fuer-die-Migranten-geblieben.html

https://www.reuters.com/article/us-europe-migrants-bosnia/please-help-us-migrants-exposed-to-freezing-bosnia-winter-await-chance-to-reach-eu-idUSKBN29G22L

https://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-in-bosnien-herzegowina-tiere-haben-es-besser-als-wir-a-4ecf9221-1634-4647-b9bc-950015859a7b

https://www.srf.ch/news/international/fluechtlingscamp-auf-lesbos-wasser-fliesst-durch-die-zelte-der-fluechtlinge

https://www.deutschlandfunkkultur.de/zustaende-im-fluechtlingslager-kara-tepe-unsere-verlorene.1005.de.html?dram:article_id=490844

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