MinusGrenzen

Die Woche nach dem Brand auf Lesbos

Wie es mit den Menschen aus Moria weitergehen soll, ist auch eine Woche nach dem Brand ungewiss. Deutschland ist inzwischen vorgeprescht und hat angekündigt über tausend Menschen aus Moria zu sich zu holen.

Griechenlands harte Hand

In der vergangenen Woche kam es zu mehreren Zusammenstößen zwischen der griechischen Polizei und den Migranten aus Moria. Dabei ging die Polizei mit voller Härte gegen die Migranten vor, insbesondere, um sie davon abzuhalten aufs Festland zu gelangen, dabei wurde auch keinerlei Rücksicht auf Kinder und Familien genommen, wie es die unzähligen Bilder belegen, welche die Ereignisse dokumentieren.

Am Freitag erklärte ein Sprecher des griechischen Migrationsministeriums, dass 6000 Menschen inzwischen in dem neu aufgestellten Lager auf Lesbos eingetroffen seien. 157 Menschen seien dabei positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Viele andere Migranten weigern sich, das neue Lager zu betreten, weil sie fürchten dort erneut eingesperrt zu werden und in denselben Zuständen wie zuvor in Moria ausharren zu müssen.
Inzwischen haben die griechischen Behörden auch die ersten Verdächtigen der Brandstiftung festgenommen. Dabei handelt es sich um vier junge Afghanen zwischen 19 und 21 Jahren.

Politik unter Druck

Derweil hat die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, angekündigt, dass man nächste Woche weitgehende Reformvorschläge für die europäische Asyl und Migrationspolitik vorstellen wolle. Ein Migrations, der schon lange geplant ist, aber immer wieder hinausgeschoben wurde. Gemäß Von der Leyen sollen mit dem neuen Migrationspakt die Dublin-Verordnungen abgeschafft und ersetzt werden.
Die deutsche Bundeskanzlerin unterstützt derweil die Pläne der Griechen auf Lesbos ein neues Aufnahmezentrum zu bauen. Dabei soll es sich um ein Beispielmodell für die zukünftige europaweite Kooperation handeln. Man wolle Griechenland also nicht mehr länger mit dem Problem allein lassen. Das neue Zentrum soll nicht nur den Menschen bessere Unterbringungsmöglichkeiten bieten, sondern auch für schnellere Asylverfahren sorgen.

Symptombekämpfung

Die Bilder von Lesbos haben in Europa viele Menschen auf die Straße gebracht und den Druck auf die Politik deutlich erhöht. Dabei droht allerdings einmal mehr unterzugehen, dass es sich bei Lesbos um Symptome viel tiefgreifender Probleme handelt. So nötig schnelle Nothilfe ist, so wenig wird sie die zugrundeliegenden Probleme lösen. Dasselbe gilt auch für ein neues Aufnahmezentrum, wobei hier durchaus Zweifel angebracht sind, ob Europa es dieses Mal wirklich fertig bringt, einen fairen, menschlichen Umgang mit den Asylbewerbern auf Dauer sicherzustellen.

Auch die Ankündigungen des neuen Migrationspakts lassen erst mal wenig Hoffnung aufkommen. Es wird darin kaum um mehr gehen, als um die Frage, wie sich die Migrationsströme etwas besser managen lassen. Dass dabei eine echte Auseinandersetzung mit den Ursachen stattfinden wird, ist kaum zu erwarten.

Weiterführende Links

www.politico.eu

www.infomigrants.net

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.