MinusGrenzen

Der Dschungel von Calais

2002 entstand in den Wäldern des nordfranzösischen Calais nahe des Ärmelkanals das erste illegale Flüchtlingscamp des Ortes. Von hier aus, so hoffen MigrantInnen, eines Tages Großbritannien zu erreichen.

Der unermüdliche Kampf gegen die MigrantInnen

Unter dem Namen Dschungel von Calais erlangte das Flüchtlingslager mit den Jahren traurige Bekanntheit. Zum ersten Mal nutzten die britischen Zeitungen „Daily Express“ und „The Sun“ diese Bezeichnung. 2009 gelang es der damaligen Regierung, das illegale Lager für rund fünf Jahre zu schließen, bevor sich 2014 erneut ein illegales Zeltlager bildete. Immer wieder kam es zu Räumungen, Teile des Lagers wurden mehrfach zerstört, dennoch leben heute immer noch mehrere hundert Menschen in dem Lager.

In einem ausführlichen Artikel vom 13. Januar 2021 berichtet der Guardian von den brutalen Methoden, mit denen die Polizei in Calais die MigrantInnen bekämpft.

Organisierte Vertreibungen

Früh morgens am 9. Januar haben sich gemäß dem Bericht rund vierzig Polizeibeamte bei Minus 3 Grad vor der Polizeistation Calais versammelt. In neun Fahrzeugen fuhren sie zu dem illegalen Lager, um die erste von fünf organisierten Räumungen an diesem Morgen durchzuführen. Maskierte Polizisten in schwarzen Uniformen jagten Flüchtlinge aus ihren Zelten und anderen Unterschlüpfen.

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Observers“ (HRO) zählte im Jahr 2020 973 solcher Vertreibungsaktionen durch die Polizei in Calais – also rund drei täglich. Alleine im Dezember seien 526 Zelte konfisziert und 41 Personen festgenommen worden.

Exzessive Gewalt gegen MigrantInnen

NGO’s kritisieren, dass die Polizei bei diesen Räumungen exzessive Gewalt gegenüber den MigrantInnen anwendet und deren persönlichen Besitztümer vorsätzlich zerstört. So werde Tränengas gegen Minderjährige eingesetzt, Zelte mit Flüchtlingen darin von Traktoren weggerissen und ein Eriträer wurde aus zehn Meter ein Gummigeschoss ins Gesicht geschossen, woraufhin er zwei Monate lang im Krankenhaus lag.

Der Guardian zitiert einen 20-jährigen Sudanesen, der seit fünf Monaten in den Wäldern von Calais haust. Er erzählt, dass die Polizei stets um fünf Uhr morgens auftauche, die Zelte umzingle und diese dann mit Messern aufschneide.
Ein afghanischer Migrant, der gerade achtzehn geworden ist, erzählt, die Polizei käme egal, bei welchem Wetter, egal ob es sich um einen Feiertag handle oder nicht. Selbst an Silvester hätten sie die Räumung durchgeführt. „Sie nehmen uns unsere Sachen weg und wir müssen stundenlang im Freien stehen – manchmal zehn bis zwölf Stunden. Es ist ihnen egal, ob ich Minderjährig bin“, sagt er.

Dokumentarfilm auf Arte

Auf Arte ist noch bis am 18.12.2021 der Dokumentarfilm „Wohin, Flüchtling?“ zu sehen, der die Situation in Calais dokumentiert. Vor der großangelegten Räumung 2016 begaben sich Nicolas Klotz und Elisabeth Perceval in das Camp und sprachen mit den Bewohnern. Drei Wochen lang begleitete Klotz die Bewohner und Bewohnerinnen durch ihren Alltag. Ein eindringliches Zeitdokument.

Weiterführende Links

https://www.theguardian.com/global-development/2021/jan/13/like-torture-calais-police-accused-of-continued-migrant-rights-abuses

https://www.arte.tv/de/videos/078725-000-A/wohin-fluechtling/

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