MinusGrenzen

Das neue Moria

Mehr als 18’000 Bootsmigranten und -migrantinnen aus Afrika trafen bis Ende November 2020 auf den Kanarischen Inseln ein. Gemäß amtlichen Angaben handle es sich dabei um eine Steigerung von 1000 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rund 5500 Migranten und Migrantinnen seien derzeit übergangsweise in 17 Hotels untergebracht., da diese wegen der Corona-Pandemie genug freie Kapazitäten hätten.

Abschieben statt aufnehmen
Die spanische Regierung weigert sich bisher standhaft, die Menschen auf das spanische Festland zu lassen und damit die Kanaren zu entlasten. Weil man verhindern wolle, dass die Kanaren als Sprungbrett nach Europa wahrgenommen wird, strebe man die Rückführung aller Migranten an, die auf den Kanaren ankommen, berichtet die Zeitung „El Mundo“ unter Berufung auf das Außenministerium.
Mit Marokko, wo die meisten der Menschen in See gestochen sind, 110 Kilometer von den Kanaren entfernt, verhandelte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska kürzlich über schnellere Abschiebungen.

Doch der Druck auf die Regierung wächst. Die Behörden auf den Kanaren fühlen sich im Stich gelassen. Nun will Spanien auf den Atlantik-Inseln provisorische Aufnahmezentren für insgesamt 7000 Menschen errichten. Schon in wenigen Wochen sollen diese Zentren gemäß Migrationsminister José Luis Escrivá zur Verfügung stehen. Konkreter geht es um Zentren auf den Inseln Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura. Zudem versprach Escrivá den Bau stabilerer Zentren und mehr Mittel für den Seenotrettungsdienst.

Mole der Schande
Julia Macher beschreibt für das Nachrichtenmagazin „Die Zeit“ die Situation in einem Hotspot im Süden Canarias folgendermaßen: „Die Hafenmole Arguineguín in Mogán im Süden Gran Canarias ist mit gelben Plastikgittern abgesperrt, weiträumig, wegen der Corona-Regelungen. Im Innern des gerade mal 3.600 Quadratmeter großen Areals drängen die Menschen sich dagegen dicht an dicht. Mehr als 2.500 Personen harrten hier zum Teil wochenlang aus, ohne mit Anwälten oder Übersetzern sprechen zu können.“ In den spanischen Medien werde der Ort die „Mole der Schande“ oder das „neue Moria“ genannt. Inzwischen seien es noch 900 Männer und Frauen, welche am selben Ort unter Zeltplanen oder offenem Himmel ausharren, sich 12 Duschen und 25 Chemieklos teilen.

Tödliche Route
Die Atlantikroute zwischen Marokko und den Kanaren gilt als eine der tödlichsten Fluchtwege der Welt. Hohe Wellen und eine starke Strömung mach die bis zu zwölf Tage lange Überfahrt für die Menschen zu einer lebensgefährlichen Odyssee. Schätzungen zufolge ertranken allein im Herbst 500 Menschen bei einer solchen Überfahrt. Erst am letzten Dienstag starben vor der Vulkansteinküste bei Órzola auf Lanzarote acht Passagiere eines Flüchtlingsbootes.

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