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Jesuiten missionieren im Japan des 16. Jahrhunderts

Das Christentum in Japan: Seine Anfänge im 16. Jh

1549 erreichte mit den drei Jesuiten, Franz Xaver, Cosme de Torres und Juan Fernández, das Christentum Japan. Das Wissen der Missionare über dieses Land war nur bruchstückhaft und oft falsch.

Die Erwartungen der Jesuiten waren sehr hoch. Man hoffte, in Japan den Anfang einer vielversprechenden «Ernte» für die jesuitische Mission machen zu können. Doch bald schon erwies sich die Situation in Japan als weit schwieriger als erwartet. Rund 100 Jahre später wurde das Christentum in Japan verboten. Konvertiten wurden teilweise brutal verfolgt und das Land schloss sich gegenüber der restlichen Außenwelt ein.

Enttäuschungen in Indien

Als Franz Xaver 1549 nach Japan aufbrach, hatte er bereits viele Jahre Missionsarbeit in Indien hinter sich. Seine Indienerfahrungen waren geprägt von Rückschlägen und Enttäuschungen.

Laut Xaver’s Erfahrung seien die «Heiden» in Indien für das Christentum nur wenig empfänglich gewesen. Nichtsdestotrotz war er vom Sinn der missionarischen Tätigkeiten überzeugt. Denn es ging um das Retten von Seelen, die ohne die Missionare zu ewiger Verdammnis verurteilt wären. Im Oktober 1548 schrieb er in einem Brief an Bruder Franciscus Henriquez:

«Du thust dadurch schon mehr, als du glaubst,dass du die Kinder sorgfältigst zusammensuchst, und durch die Taufe dem Himmel gebährest. Denn wenn du im Gedanken in ganz Indien herumsehen wirst, so wirst du in Wahrheit aus den Weissen sowohl als den Schwarzen wenige finden, die in den Himmel kommen, ausser jenen, die vor dem vierzehnten Jahre mit der in der Taufe erlangten Unschuld sterben […]. Das zeigt sich ja in den Kleinen, die, von dir getaufet, schon jetzt der himmlischen Glückseligkeit geniessen, von der sie ausgeschlossen wären, wenn du diese Gegend verlassen, und sie nicht durch die Taufe Christo gebohren hättest […]. Aber gedenke, dass du die acht Monate, als du da bist, durch die Taufung der sterbenden Kinder mehr Seelen erhalten hast, als alle die Jahre, die du in Portugall und in Indien warst.»

Franz Xaver in einem Brief an Franciscus Henriquez 24. Oktober 1548.

Franz Xaver, der häufig mit Massentaufen ganze Gemeinden christianisierte, hatte feststellen müssen, dass sich die Inder*innen dem Christentum oft nur sehr oberflächlich hingaben. Meist änderten sie weder ihre Sitten noch sonstigen Gewohnheiten, selbst wenn diese in den Augen der Jesuiten barbarischer Natur waren.

Nicht selten folgten daher auf die Massentaufen Masseninquisitionen. Viele der Konvertiten starben aber auch, weil lokale Herrscher verlangten, dass sie dem Christentum abschworen und sie sich weigerten.

So etwa in Corea, einem Fischerort von Sri Lanka, wo 600 Konvertiten den Märtyrertod gestorben sind. Ob dies allerdings aufgrund ihres tiefen Glaubens der Fall war, darf bezweifelt werden. Denn oft waren es eher kommerzielle Gründe, welche die Menschen dazu brachten, sich taufen zu lassen.

An Ignatius von Loyola, dem Generalvorsteher in Rom, ließ Franz Xaver im Januar 1549 folgendes Urteil zukommen:

«Nach der Kenntniss, die ich von diesen Ländern habe, getraue ich mir zu behaupten, dass kein Anschein sei, dass sich unsere Gesellschaft hier durch die eingebohrnen Indianer erhalte: die christliche Religion aber uns, die wir hier sind, kaum überleben wird.»

Franz Xaver in einem Brief an Ignatius von Loyola 14. Januar 1549.

Grosse Hoffnungen für ein Christentum in Japan

Nachdem 1543 die ersten portugiesischen Händler die japanische Küste erreicht hatten, landete Franz Xaver 1549 mit drei japanischen Begleitern und den beiden Jesuiten Cosme de Torres und Juan Fernández in der Hauptstadt der Provinz Satsuma.

1547 hatte Xaver in Malacca den früheren Samurai Yajirō kennengelernt. Yajirō war als erster Japaner in Goa auf den christlichem Namen Paul von Santa Fe getauft worden. Durch dessen Ausführungen zu Japan entschied sich Xaver, dorthin zu reisen um das Christentum zu verkünden.

In Japan hoffte er, im Gegensatz zu Indien, ein Volk vorzufinden, das «vernunftbegabt» ist. Ein Volk, das sich mit Argumenten von der christlichen Wahrheit überzeugen lassen würde.

Zu Anfang schienen sich seine Erwartungen zu erfüllen. Xaver zeigte sich in seinen Aufzeichnungen positiv beeindruckt von der Frömmigkeit der Japaner. er lobte ihre natürliche Güte. Weiter beeindruckten ihn ihre Abscheu vor Betrug und ihr Streben nach Ansehen und Ehre.

Zudem weist er auf ihre Freude an Waffen hin und dass alle Adeligen ihren Fürsten treu ergeben seien und diese Beziehung zwischen Adel und Fürst nicht auf Furcht beruhe. Eine allgemeine Mässigkeit in allen Dingen, Aufgeschlossenheit gegenüber religiösen Dingen und dass die meisten Menschen lesen könnten, vervollständigen diese Liste positiver Eigenschaften.

Japan im 16. Jahrhundert

Von den realen Verhältnissen in Japan wusste Xaver zu diesem Zeitpunkt jedoch nur wenig.
In Japan herrschte bei seiner Ankunft ein Machtkampf verschiedener Feudalherren vor. Anstatt auf ein geeintes Japan trafen die Jesuiten auf ein in 66 Provinzen geteiltes Reich.

Japan im 16. Jahrhundert. Anstatt ein einheitliches Reich, ein Land zersplittert durch den Machtkampf verschiedener Feudalherren.

Der japanische Kaiser lebte in der Hauptstadt Kyoto, besaß allerdings weder politische, administrative noch militärische Autorität. Seine Bedeutung erlangte der Kaiser damals vor allem durch seine Macht formale Titel zu vergeben.

Die Zentralmacht Japans war bereits zwischen 1467 – 1477 während dem Onin-Krieg zusammengebrochen. Stattdessen herrschten in der mit dem Onin-Krieg begonnenen Sengoku-Periode (Periode der Länderkriege) lokale Herrscher (Daimyō) autonom über ihre Gebiete.

Neben den lokalen Herrschern mischten sich auch buddhistische Klöster in den Machtkampf mit ein. Mit ihren Armeen aus buddhistischen Mönchen beherrschten einige Klöster als Festungen über ganze Städte.
Das Land war also nicht nur in lokale Fürstentümer geteilt, sondern ebenso in unterschiedliche religiöse Orden.

Eine Frage der Übersetzung

Diese Zersplitterung der Macht war für die Jesuiten ein grosses Problem, ohne, dass sie es anfangs merkten. Denn für eine lange Zeit hielten sie an der Überzeugung fest, das Land werde vom Kaiser zentralistisch beherrscht und geführt.

Es war eine übliche Strategie der Jesuiten, bei ihrer Missionierung einen Top-Down-Ansatz zu verfolgen. Das vordergründige Ziel bestand darin, die Regenten zu bekehren, mit der Idee, dass dann die Untertanen folgen würden.

Mit der Hilfe Paul’s wurden erste Texte ins Japanische übersetzt, mit denen die Jesuiten in den Strassen predigen konnten. Xaver musste sich allerdings zuerst entscheiden, ob für den Gottesnamen und andere wichtige christliche Begriffe die portugiesischen bzw. lateinischen Ausdrücke beibehalten oder ob entsprechende Ausdrücke in die japanische Sprache übersetzt werden sollten.

Die Beibehaltung portugiesischer oder lateinischer Begriffe brachte die Schwierigkeit mit sich, die Heiden mit unbekannten Begriffen und deren Bedeutung bekannt machen zu müssen. Man wählte also die zweite Methode und suchte nach entsprechenden japanischen Begriffen. Die Gefahr bestand allerdings, dass die Hörer mit diesen Begriffen weiterhin ihre alten, aus jesuitischer Perspektive, heidnischen Vorstellungen verbinden würden.

Predigten auf der Straße

«Daher legten wir alle Geheimnisse des Lebens Jesu bis auf seine Himmelfahrt und das letzte Gericht fleissig aus. Dieses Buch nun, das wir mit grosser Mühe japanesisch übersetzten, schrieben wir mit unsern Buchstaben. Von da heraus bethen wir hernach das, was ich sagte, denen vor, die sich zum christlichen Glauben begeben, damit die Neubelehrten die Art lernen, Gott und Jesum Christum gottselig und heilsam zu ehren. […] Wir hielten also für das Beste, auf den offenen Gassen und Strassen zweymal des Tages die Hauptstücke dieses unsers Buches herabzusagen, und auf diese Art von der christlichen Religion dem Volke zu predigen.»

Brief von Franz Xaver an die Gesellschaft nach Goa, 1550.

Nicht überall kamen ihre Predigten gut an. Im selben Brief schreibt Xaver auch, wie sie von Teilen der lokalen Bevölkerung verspottet wurden.

«So oft wir also durch die Gassen der Stadt giengen, so verfolgte uns ein grosser Haufen Buben und Leute von der untersten Klasse unter Gelächter und Gespötte, und rief: Gehet, die uns das göttliche Gesetz aufbringen wollen, damit wir selig werden; weil wir ausser durch den Urheber aller Dinge und seinen Sohn von dem Untergange nicht gerettet werden können. Gehet, die predigen, es sey nicht erlaubt, mehr, als ein Weib zu haben! So zogen sie die übrigen Hauptstücke unserer Religion unter Schimpf und Scherz durch.»

Brief von Franz Xaver an die Gesellschaft nach Goa, 1550.

Widerlegung der heidnischen Glaubenssätze

Zu einem weiteren wichtigen Pfeiler ihrer Missionstätigkeit und ihrem Werben für das Christentum in Japan, wurden die Streitgespräche mit den buddhistischen Mönchen und den lokalen Gelehrten. Immer mit dem vorrangigen Ziel, ihre Lehrsätze zu widerlegen.

«Nachdem wir die Lehrsätze dieser Secten eingesehen hatten, fiengen wir an die Beweise, um sie zu widerlegen, aufzusuchen. Daher setzten wir den bösartigen Bonziern und übrigen Feinden des christlichen Gesetzes mit Fragen und Beweisgründen täglich dergestalt zu, dass sie sich endlich wider unsere Gegengründe nicht mehr den Mund zu öffnen trauten […]. Die Heiden aber, die bey den Disputationen zugegen waren, wurden in ihren Religionen nicht wenig wankend, da sie sahen, wie ihre alten Lehrer wanken. Das konnten freylich die Bonzier nicht vertragen; und weil sie selbst den Predigten beywohnten, und sahen, wie täglich viele Christen wurden, verwiesen sie es ihnen schwer, dass sie ihre alte Religion verliessen, und einer neuen folgten.»

Brief von Franz Xaver an die Gesellschaft nach Goa, 1550.

Doch so einfach, wie es Xaver in dem Brief darstellte, dürfte es nicht gewesen sein. Es ist anzunehmen, dass ihren Erfolg in den Disputationen in dem Brief stark übertreibt.

Das Problem mit der Hölle und der Verdammnis

Ein Problem, dem die Missionare mit ihrem Christentum in Japan immer wieder begegneten, bestand in der Vermittlung des christlichen Konzepts von Hölle und Verdammnis.

In einem Brief an die seine Ordensbrüder in Europa stellte er im Jahr 1952 fest, dass Japaner*innen Mühe bekundeten, Güte in einer Religion zu sehen, die Menschen mit der Hölle bestraft.

«Das konnten sie keineswegs vertragen, dass die Menschen, ohne einige Hoffnung je wieder herauszukommen, in die Hölle verstossen werden. Daher sagten sie, gründe sich ihre Lehre mehr auf Nachsicht und Güte, als die Unsrige.»

Franz Xaver in einem Brief an die Gesellschaft nach Europa, 29. Januar 1552.

Schwerwiegender noch war für die Japaner*innen der Gedanke, dass alle ihre Vorfahren für immer ohne Hoffnung auf Erlösung leiden müssen.

«Eines ist, was den Japanesern sehr wehe thut, dass, wie sie von uns gehöret haben, der höllische Kerker so von allen Seiten verschlossen sey, dass Keiner auf was immer für eine Weise daraus gerettet werden kann. Sie bedauren nämlich den Zustand ihrer verstorbenen Kinder, Aeltern, Freunde und Vorfahren, und geben ihre Schmerzen sogar durch Thränen zu erkennen. Sie fragen uns daher, ob denn gar keine Hoffnung, gar kein Mittel sey, dieses ewige Unheil von ihnen abzuwenden. Allein ich antworte hierauf so, dass ich sie ihnen gänzlich abspreche. Dieser Kummer ängstiget und quälet sie so sehr, dass sie vor Schmerzen fast vergehen […] Sie fragen auch, ob sie Gott von der Hölle befreyen könne: warum denn ihre Pein ohne Ende seyn soll. Wir antworteten ihnen hierauf zu Genüge. Allein sie hörten nicht auf, das Unglück der Ihrigen zu beweinen, so dass ich mich selbst kaum der Thränen enthalten konnte, da ich sah, wie Leute, die mir so gut wären, einer Sache wegen innigst gekränket wurden, die schon geschehen wäre, und keineswegs wieder gutgemacht werden könnte.»

Franz Xaver in einem Brief an die Gesellschaft nach Europa, 29. Januar 1552.

Irrtümliche Annahmen und weitere Rückschläge

Viele von Xavers ursprünglichen Annahmen stellten sich bald einmal als falsch heraus. Die Missionare mussten im Laufe der Zeit ihre Strategie mehrfach neu überdenken. Erst im Jahr 1550, als Franz Xaver Kyoto erreichte, stellte er fest, dass der japanische Kaiser zu jener Zeit keine Zentralgewalt über das Land besaß.

Einen weiteren Rückschlag erlebte die Mission durch fehlgeschlagene Übersetzungsversuche christlicher Texte ins Japanische. Yajirō sollte die christlichen Termini mit japanischen Begriffen übersetzen. Aufgrund seiner nur sehr oberflächlichen Kenntnisse des Buddhismus benutzte er allerdings buddhistische Begriffe, die meist nicht mit den christlichen Vorstellungen in Einklang zu bringen waren.

Ein Beispiel dafür ist die Übersetzung von «Gott» mit dem Begriff «Dainchi». Louis de Almeida, der 1552 zum ersten Mal nach Japan gekommen war und später selber in Japan missionierte, schrieb 1562 in einem Brief über Xavers Predigten von Dainichi als Deus:

«Dies tat er, weil er schlecht unterrichtet war über die Religionen Japans, nach denen die Japaner glauben, der Daniche sei der Schöpfer und das erste Prinzip der Dinge. Aber ihre Gelehrten verstehen die Lehre, wonach Daniche das erste Prinzip und der Schöpfer ist, ganz anders als wir die Lehre verstehen, dass Gott der Schöpfer sei. Denn sie glauben, Daniche sei die Materia prima, die in allen sichtbaren Dingen ist, und ohne sie könnten die Dinge, die Gefühl und Leben haben [?], nicht immer sein, und man könne ihn nicht sehen mit den körperlichen Augen, sondern ihn nur begreifen mit dem Verstand.»

Louis de Almeida in einem Brief an seine Mitbrüder, 25. Oktober 1562.

Laut anderen Berichten sei Xaver völlig außer sich gewesen, als er den Fehler entdeckte. Für die Japaner hatte der Begriff, den die Jesuiten für „Gott“ verwendeten, bereits eine feststehende Bedeutung. Diese war keineswegs mit dem Konzept eines personalen Schöpfergottes in Einklang zu bringen.

Nachdem man dieses Missgeschick erkannt hatte, ging man von der Strategie ab, bereits vorhandene japanische Begriffe zu benutzen. Man begann stattdessen mit modifizierten lateinischen Begriffe zu arbeiten.

Anpassung an die Sitten und Gebräuche

Dennoch konnten die Missionare in den kommenden Jahrzehnten einige Erfolge verbuchen und ein gewisses Fundament für das Christentum in Japan schaffen. Die Erfolge beruhten allerdings weniger auf religiösem Eifer als auf den Interessen der Daimyō am Handel mit den Portugiesen, die damals mit den Jesuiten kooperierten.

Ōtomo Sōrin geb. 1530, gest. 1587, erster christlicher Daimyō.
Ōtomo Sōrin geb. 1530, gest. 1587, erster christlicher Daimyō.

1563 konvertierte zum ersten Mal ein Daimyō zum Christnetum. Unter den christlichen Daimyō kam es des Öfteren zu Massentaufen und Repression gegen Buddhisten. Im Jahr 1580 wurde den Missionaren die Hafenstadt Nagasaki überlassen, die sich bald zum florierende Handelszentrum in Japan entwickelte.

Von besonderer Bedeutung für die Weiterentwicklung der jesuitischen Mission in Japan und das noch junge Christentum im Land war Alessandro Valignano. Franz Xaver hatte Japan 1551 wieder verlassen. Alessandro Valignano besuchte Japan das erste Mal 1579.

Valignano war von der Notwendigkeit überzeugt, dass sich die Missionare stärker der jap, anischen Kultur, ihren Sitten und Gebräuchen anpassen mussten, um das Christnetum zu predigen. Es sei zentral, dass sie die japanische Sprache lernten. Die Bemühungen um Anpassung wurden allerdings von einem europäischen Überlegenheitsdenken stets überschattet.

Auch dem Buddhismus gegenüber verhielten sich die Jesuiten stets konfrontativ. Schon seit den Anfängen unter Franz Xaver bemühten sie sich, den Buddhismus in öffentlichen Disputationen als Irrlehre zu entlarven, anstatt sich um einen Dialog zu bemühen.

lessandro Valignano, Lebte von 1539 bis 1606 und war ein italienischer Jesuit, der als Visitator der Gesellschaft die Missionsarbeit in Fernost, besonders in Japan überwachte und steuerte.
Alessandro Valignano, lebte von 1539 bis 1606 und war ein italienischer Jesuit, der als Visitator der Gesellschaft die Missionsarbeit in Fernost, besonders in Japan überwachte und steuerte.

Argumente gegen das Christentum

So leicht, wie es Xaver manchmal darstellte, liessen sich die Japaner*innen allerdings nicht von dem fremden Glauben überzeugen. In verschiedenen Aufzeichnungen wird deutlich, dass die Missionare immer wieder mit kritischen Fragen und Gegenargumenten zu kämpfen hatten.

Eine Frage, mit der die Missionare schon früh konfrontiert wurden, lautete:
Warum wissen die Chinesen nichts von dieser Religion, wenn dieser Gott denn so mächtig ist?

Ein weiteres Problem hatten die buddhistisch geprägten Japaner*innen mit dem Konzept von Belohnung und Strafe nach dem Tod. In Streitgesprächen verneinten buddhistische Mönche diese Vorstellung eines Jenseits vehement. Sie verneinten die Existenz einer Hölle und bekräftigten, dass die Strafen für Übeltaten im Diesseits passierten. Mit dem Tod würden die körperlichen Beschwerden abgeworfen. Folglich verlässt man die Hölle eben gerade mit dem Tod und erreiche so den Frieden.

Doch auch mit dem Bild eines personalisierten Gottes hatten sie Mühe. Wenn denn dieser Gott so barmherzig sei, wie die Jesuiten sagten, und er die Menschen für die Seligkeit geschaffen hat, warum lässt er dann den Teufel so viel böses antun? Und wieso hat er einen Engel überhaupt so geschaffen, dass dieser zum Teufel werden konnte?

Wieso hat dieser ach sobarmherzige Gott den Weg zur ewigen Seligkeit für den Menschen nicht einfacher gestaltet? Und wieso hat er dem Menschen nicht weniger Begierden mitgegeben, durch die er zur Sünde neigt?

Christentum in Japan als Vorbote einer europäischen Invasion?

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gelang es Toyotomi Hideyoshi, den größten Teil Japans unter seiner Herrschaft zu vereinen. Auf ihn folgte ab 1603 die Zeit des Tokugawa-Shogunats, welches die Geschicke des Landes bis 1868 lenken sollte.

Toyotomi Hideyoshi lebte von 1537 bis 1598. Er war ein japanischer Feldherr und Politiker, der entscheidend zur Einigung des neuzeitlichen Japans beitrug, weshalb er als der zweite der Drei Reichseiniger bezeichnet wird.
Toyotomi Hideyoshi lebte von 1537 bis 1598. Er war ein japanischer Feldherr und Politiker, der entscheidend zur Einigung des neuzeitlichen Japans beitrug, weshalb er als der zweite der Drei Reichseiniger bezeichnet wird.

Obwohl Hideyoshi den Christen anfänglich noch freundlich gesinnt war, entstand alsbald aufgrund des expansiven Gebarens der portugiesischen und spanischen Krone die Angst, die Missionare seien nur die Vorhut einer europäischen Invasion.

Ein weiteres Problem bestand darin, dass die Loyalität zu einem personalen Gott von den Christen über die Loyalität gegenüber dem säkularen Herrscher gestellt wurde. Das Christentum in Japan erschien auf einmal als potenzielle Bedrohung.

Die Konkurrenz unter den Europäern um Einfluss in Japan tat sein Übriges, um die Lage der europäischen Missionare zu erschweren. Inzwischen missionierten nämlich auch Franziskaner und Dominikaner für das Christentum in Japan. Zwischen den Orden kam es in der Folge immer wieder zu Konflikten.

Für den Handel mit Japan interessierten sich nun auch die Spanier, Niederländer und Engländer. Letztere beiden warnten die japanischen Herrscher vor den kolonialistischen Bestrebungen der Portugiesen und Spanier.

Grausamer Kampf gegen die fremde Religion

1613 verwies Tokugawa Ieyasu die Christen des Landes. Seine Nachfolger wollten das Christentum in Japan ausrotten und verfolgten die Christen systematisch und mit zunehmender Grausamkeit.

Shogun Tokugawa Iemitsu verbot 1639 schließlich alle Kontakte zu katholischen Ländern und beendete den Außenhandel fast gänzlich. Nur die Präsenz der Niederländer auf einer kleinen Insel im Hafen Nagasakis wurde weiterhin geduldet. Das Christentum in Japan wurde in den Jahren darauf mit mal mehr und mal weniger Härte verfolgt.

Der jesuitische Priester Christavao Ferreira wurde von der japanischen Inquisition im Jahr 1633 gefangen genommen. Er schwor unter Folter von seinem Glauben ab.

1642 und 1643 wurden zwei Gruppen von Missionaren illegal nach Japan gesandt, um seine Seele zu retten. Eine solche Rettungsmission bildet auch den Hintergrund zu Martin Scorseses Film «Silence» aus dem Jahr 2016. Manche Forscher sprechen gar von einem regelrechten Märtyrer-Tourismus, der in dieser Zeit unter den europäischen Missionaren eingesetzt haben soll.

Beide Gruppen wurden rasch entdeckt und gefangen genommen. Von der ersten Gruppe kamen alle Mitglieder durch die Folter um. Die Mitglieder der zweiten Gruppe schworen hingegen von ihrem Glauben ab.

Ferreira war bei den Verhören der zweiten Gruppe anwesend, da er inzwischen aktiv der japanischen Inquisition assistierte. Aus seiner Feder ist eine Abhandlung über das Verhör gefangener Christen überliefert. In der Schrift konfrontiert er die Christen mit der Frage, ob eine Religion gerecht sei, die alle Menschen in Errettete und Verdammte unterteilte, ohne dass diese etwas daran ändern können.

Martin Scorsese hat mit seinem 2016 erschienen Filme «Silence» den Roman Roman Chinmoku (dt. Schweigen) des katholischen japanischen Autors Endō Shūsaku aus den 1960er Jahren verfilmt.

Christentum in Japan lebt im Untergrund weiter

Im Untergrund existierte das Christentum in Japan trotz der Verfolgung weiter. Sie entwickelten eigene Strategien, um unbemerkt ihren Glauben zu praktizieren. 1865 trafen christliche Missionare in Japan erstmals auf solche bis anhin verborgene Christen.

Der Inhalt ihrer Religion war nicht mehr mit dem von den Jesuiten gelehrten Katholizismus identisch, sondern hatte sich im Untergrund gewandelt. Die Untergrund-Christen hatten in all der Zeit verschiedene Techniken entwickelt, um die Ausübung ihres Glaubens zu verstecken.

Sie hielten Gebete vor Buddhastatuen ab, auf deren Rückseite ein Kreuz eingezeichnet worden war. Das heilige buddhistische Bild einer Frau mit einem Kind wurde von ihnen als das Bild der Jungfrau Mario mit dem Jesuskind verehrt.

Gebete und heilige Texte, welche durch die Missionare ins Land gekommen waren, wurden über all die Zeit mündlich und schriftlich weitergegeben, veränderten sich aber in diesem Prozess.
Dies manifestierte sich besonders deutlich in der Sprache ihrer Gebete. Aus den ursprünglichen Begriffen war eine Art Pseudolatein und Pseudoportugiesisch geworden.

Quellen

  • Boxer, Charles Ralph: The Christian Century in Japan. 1549-1650, London 1951.
  • Elison, George: Deus Destroyed. The Image of Christianity in Early Modern Japan, Cambridge und London 1988.
  • Schurhammer, Georg S. J.: Die Disputationen des P. Cosme de Torres S. J. mit den Buddhisten in Yamaguchi im Jahre 1551, in: “Mitteilungen” der deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Bd. XXIV, Teil A), Tokyo 1929, S. 11-114.
  • Gesammelte Briefe des heiligen Franciscus Xaverius, des grossen Indianerapostels aus der Gesellschaft Jesu. Als Grundlage der Missionsgeschichte späterer Zeiten: zugleich ein wichtiger Beitrag zur Natur- Länder- und Völkerkunde, vorzüglich aber zur christlichen Erbauung, editiert von Anton Eglauer Augsburg 1794.

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